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Adria 2008: Teil 2

Datum: 28. August 2008

Index für Adria 2008

  1. Adria 2008: Teil 1
  2. Adria 2008: Teil 2
  3. Adria 2008: Teil 3

Der Weg ist das Ziel. Stimmt definitiv nicht, wenn man Stunde um Stunde auf italienischen Autobahnen rauscht, stets bemüht, den Tempomat nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam eingestellt zu haben. Reserviert haben wir nirgendswo, entsprechend hatten wir keine Ahnung, wo wir genau hin sollten. Irgendwann entschieden wir, vorläufig Venedig anzupeilen und ca. eine Stunde vor Ankunft ein paar Plätze anzurufen.

Ich war mir sicher, dass wir analog letztem Jahr problemlos einen Campingplatz fänden. Irrtum. Wir mussten uns längst auf unser Gefühl verlassen und für die nordöstliche Seite von Venedig entscheiden. Jesolo kannten wir, weil die Nachbarn da in der Nähe auf einem Platz waren. Und wir standen schon kurz vor der Ortstafel, als uns der gefühlte 100ste und effektiv zwölfte Platz bestätigte, dass noch was frei wäre. Alle anderen waren (angeblich) voll. Angeblich, weil einige davon erst “full house” durchgaben, als sie merkten, dass wir vielleicht nur zwei Tage bleiben würden. Scheinbar könnte ein bisschen lügen helfen, eher einen Platz zu bekommen.

Fündig wurden wir auf einem Drei-Sterner namens “Adriatico” in östlich von Lido di Jesolo. Uns war direkter Zugang zum Strand am wichtigsten. Und nach zwölf Absagen wird man weniger wählerisch. Dass die Rezeption uns mitten ins “Hunde-Viertel” verfrachtete, fiel mir erst am zweiten Tag auf. Wäre nicht halb so schlimm, wenn die Halter die Tiere wenigstens an der Leine hätten statt sie tagsüber völlig frei durch Büsche, Hecken und Stellplätze laufen zu lassen. Die herumliegenden Tannzapfen haben mir geholfen, die Hunde von unserem Platz fern zu halten. Nach einem Tag hatten sie’s schon begriffen.

Beim Durchlesen der Platzordnung kann man sich köstlich erheitern. Es erstaunt mich immer wieder, dass sich solche Plätze, die seit Jahren existieren und unzählige Deutschsprachige anlocken, noch keinen halbwegs tauglichen Übersetzer leisten können. Der Beispiele sind viele, eines möchte ich euch nicht vorenthalten, sozusagen die Begründung der Platzordnung:

“In einer Gemeinschaft sind Regel notwendig, auch wenn es für manchen zu Streng erscheinen oder sogar unrichti, die sind ununtbehrlich für einer harmonischer menschlicher Zusammenlebung. Der Genehmigung die wir geben an Normen ist der Thermomesser unser Zivilisation.”

Fängt harmlos an und endet in einer Anordnung von deutschsprachigen Begriffen, deren zusammenhängende Bedeutung mir schleierhaft bleibt.

Ebenfalls seltsam find ich den Umstand, dass ein Campingplatz nur noch einen kleinen Teil des Platzes für Wohnmobile und Caravans zur Verfügung hält. Der flächenmässig grösste Teil ist bepflanzt mit Appartements, Bungalows oder wie auch immer man diese Ferienhäuschen auf Stelzen nennen will. Ein weiterer grosser Teil gehört den Dingern, die zwar aussehen wie ein Häuschen, darunter aber Räder haben, obschon sie wohl über all die Jahre kaum je bewegt werden. Lediglich aussen herum sind die “richtigen” Camper.

Man liess uns die Wahl: Ein Platz an der Sonne mit Sandstrand in Sichtweite oder einer mit schützendem Schatten zwei Minuten weg vom Strand. Ich entschied mich aus Temperaturgründen für den Schatten. Wär’ zwar rückblickend nicht nötig gewesen, weil’s doch ganz schön frisch wurde nachts. Aber dafür waren wir viel näher an den Toiletten und Duschen. Die WC-Kassette nicht durch den ganzen Platz schleppen müssen ist mir auch etwas wert.

So haben wir uns eingerichtet, was bei mir jeweils ein bisschen Nervosität hervorruft. Nur ja keine Bewegungen machen, die einen als Laien entlarvt und – zumindest innerlich – die erfahrenen Camping-Cracks lachen lässt. Gelang aber ganz gut, Peinlichkeiten blieben mir erspart. Nur bei der Ordnung merkt man, wer als erfahrener Camper unter wegs und wer sowas nur höchstens einmal im Jahr macht: Der Routinier hat für alles einen Platz. Wir hingegen müssen schon mal eine Kiste komplett durchwühlen, ehe wir merken, dass wir das Gesuchte woanders haben.





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